reflections

Deutsche Badetuchkultur in Umkleidekabinen

Ich habe gelegentlich mal das dringende Bedürfnis, shoppen zu gehen. Bevorzugt dann, wenn es gerade unmöglich ist, zum Beispiel während der Klausurphasen oder schlicht und einfach wenn Sonntag ist. So ein Tag war heute und ich besann mich sehnsüchtig auf meine letzte Tour ins Rheincenter in Köln.

Witzigerweise habe ich da neulich etwas ziemlich Interessantes herausgefunden. Generell kann man auf Einkaufstouren, wenn man die Augen nach Kuriositäten des Alltags offenhält, ziemlich schräge Dinge beobachten und sowas gehört zu meinen Hobbies. Es ist ja bekannt, dass gerade wir Deutschen eine Vorliebe dafür haben, die Liegestühle im Schwimmbad zu reservieren. Ein Handtuch auf einer Liege bedeutet "besetzt" und vor allem "gnade dir Gott, wenn du diese Liege auch nur schief anguckst!"

Interessant, denn diese vermeintlichen Besitzverhältnisse scheinen auch die Damenumkleiden erobert zu haben, zumindest ist es mir vor ein paar Wochen zum ersten Mal aufgefallen, als ich mir eine Hose kaufen wollte. Ich gehöre eigentlich generell zu den Menschen, die Dinge kaufen, zu Hause anprobieren und dann, wenn die Sachen nicht passen, wieder zurückzufahren, um sich stattdessen neue Dinge zu kaufen. Diesmal war das anders. Es war Freitagnachmittag und ich verzog mich mit meiner Jeans in eine Umkleidekabine. Da es ja schonmal vorkommt, dass das Personal beim Aufräumen der Kabinen nicht mitkommt und noch Dinge von der Vorgängerin darin herumliegen, störte ich mich nicht an den scheinbar achtlos in die Ecke geworfenen Dessous nicht. Dabei hätte ich gleich lesen müssen, dass zwischen den Zeilen der Push-ups klar und deutlich "Besetzt!" stand und mich sofort beschämt verkrümeln müssen. Denkste! Ich also in meine Hose geschlüpft (passte super) und auf einmal höre ich eine aufgebrachte Frauenstimme vor meiner Kabinentür zetern: "Boa Schatzi, guck ma, da is doch eiskalt eine in meine Kabine gegangen!" Mooment! Wessen Kabine?! Madame war wohl auf der Suche nach was Anderem und hat sich in der Zwischenzeit "ihre" Kabine mit ein paar Klamotten reserviert. Das durfte doch nicht wahr sein! Während ich, mit meiner Wahl durchaus zufrieden, mich seelenruhig wieder umzog, überlegte ich mir ein paar passende Worte, mit denen ich dem bevorstehenden Gemecker wechseln konnte. So etwas wie "Oh, entschuldige, ich wusste ja nicht, dass du bei H&M extra etwas bezahlt hast, damit du hier eine eigene Kabine hast". Naja, die war aber offensichtlich wieder wutschnaubend abgezischt. Schade aber auch!

Aber was ist denn das bitte für eine Unverschämtheit? Wie kann man behaupten, Anspruch auf etwas zu haben, das der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wurde, bloß indem man ein paar Klamotten oder ein Handtuch zurücklässt?

Ich jedenfalls empfehle jedem im Schwimmbad, sollte man unter den überfüllten Liegen eine mit Handtuch finden: Faltet das Handtuch ordentlich zusammen, legt es säuberlich irgendwohin und legt euch auf die Liege. Und wenn jemand kommt und sich beschwert, fragt ihn doch einfach mal, wie er es geschafft hat, dem Schwimmbad diese Liege abzukaufen und wieviel er bezahlt hat.

14.3.10 22:33

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